Informatik am Gymnasium
- Ausbildung und Weiterbildung
1985 schloss ich mein Nachdiplomstudium "Technische Betriebswissenschaften" an der ETH Zürich ab. Integriert darin war eine Informatikausbildung. Diese ergänzte ich 1986 durch Besuch von Vorlesungen und im Selbststudium. Auch später folgten etliche Weiterbildungskurse.
- KAGIM
1986 wählte mich der Erziehungsrat als Mitglied und etwas später als Präsident der Kantonalen Arbeitsgruppe Informatik an Mittelschulen. Diese Arbeitsgruppe erarbeitete in mehreren Phasen Konzepte zur Einführung des Informatikunterrichts an Gymnasien und Seminaren des Kt. Luzerns, Konzepte zur Lehreraus- und Weiterbildung sowie Grundlagen zur Ausstattung der Schulen mit Hardware, Software und Vernetzungen.
- Computer an unserer Schule
Meine Vorgänger im Informatikbereich hatten bereits ein Informatikzimmer mit PC's und rudimentärer Software eingerichtet. Der KAGIM-Entscheid gestaffelter Anschaffungen für die einzelnen Luzerner Gymnasien erlaubte in den Folgejahren rollende Ersatzplanungen und Erneuerung der Software.
- Internet, Vernetzung und Wartung.
Mit einer Schülergruppe richtete ich den ersten Schulanschluss im Kanton Luzern ans Internet ein. Die Kantonsschule Reussbühl erstellte als erste Schule eine Homepage, doch wir folgten bereits 2 Wochen danach. Bald schon erhielten die Schulzimmer Router. Die PC's wurden vernetzt und hatten Zugriff auf einen schulzentralen Server, dessen Wartung das Informatikteam der Schule selbst betrieb. Sicherheitstechnisch und bezüglich Software liefen die Systeme nahezu störungsfrei. Einzig bereitete die damalige Hardware-Vernetzung und auch manche PC-Hardware Wartungsprobleme.
- Kantonale Strukturen
Bereits in den 90-er Jahren schlug ich vor, dass die Schüler statt auf schuleigenen PC's und daheim auf ihren eigenen PC's besser Netbooks mit standardisierter Software haben sollten. Die Kosten wären zwischen Kanton und Eltern zu teilen. Leider wurde dieser Vorschlag von den immer mächtiger auftretenden kantonalen Informatik-Technikern abgeblockt. Die kantonalen Organisationsstrukturen wurden immer wieder modifiziert, der Personalwechsel war erschreckend hoch. Jedenfalls wurde für teures Geld eine zentralisierte Infrastruktur aufgebaut, die viel zu sehr nur technischen statt Benutzer-Anforderungen genügte - unter anderem auch, weil die Schulleitungen sich zu wenig der Sache annahmen und nicht dagegen opponierten. Als dann auch noch regelmässig die Vorschläge der KAGIM in den Wind geschlugen wurden, trat ich von diesem Amt zurück. Die KAGIM wurde bald darauf aufgelöst.
- Informatik an den Schweizerischen und so ähnlich auch an den Luzerner Gymnasien
Im MAR, dem Maturitätsanerkennungsreglement, wurde Informatik Ende der 90-er Jahre als Fach und damit auch aus den Lehrplänen eliminiert. Sie fristete 20 Jahre lang ein kümmerliches Dasein. Lediglich wurde den Schülern das Benutzen des PC incl. Internet ein wenig näher gebracht. Informatik-Konzeptwissen, Algorithmik und Datenstrukturen, das Nutzen von KI oder gar das Programmieren gab es nur im neu eingeführten Ergänzungsfach, das von ganz wenigen Freaks gewählt wurde. Die Breitenwirkung war gleich null. Spät beklagen viele Fachleute und auch die langezeit schlafenden Hochschulen diesen Missstand. Die Distanz in der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Industrienationen, auch gegenüber aufstrebenden Schwellenländern, in punkto Innovationskraft und Konzeptkompetenzen Computer
wuchs jedes Jahr weiter. Eine kleine gut ausgebildete Informatiker-Elite konnte dieses riesige Defizit nicht wettmachen. Erst 20 Jahre zu spät wurde Informatik wieder ein Pflichtfach am Gymnasium.